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Clickertraining Hintergründe

Die Grundlagen des Clickertrainings sind auf den ersten Blick allein das operante Lernnen und die zeitgenauen Bestärkungen und Bestärkungsschemata wie sie von der Schule der Behavioristen - vor allem Burrhus F. Skinner - erforscht worden sind. Dieser Forschungsansatz aus den USA stand in scharfem Widerspruch zur auf dem europäischen Kontinent erblühten Ethologie mit ihren Hauptvertretern Konrad Lorenz und Nikolas Tinbergen. Folglich ergab sich ein erbitterter wissenschaftlicher Kampf. Er ist nunmehr längst entschieden. Beide Ansätze sind notwendig und hilfreich für das gesamte Verständnis.
Ein Tier ist weder eine Black Box noch ein Instinkt oder Trieb gesteuerter Automat.
Hier nun ein sehr interessantes Detail aus der Feder von Konrad Lorenz, das uns einen wesentlichen Aspekt klar vor Augen führt.
"Woher aber weiß das Tier, was ein Erfolg und was ein Misserfolg ist?“
so fragt Konrad Lorenz* und die Antwort ist, dass genetische Programme Bewertungen der Erfahrungen vornehmen. Aber so leicht war der Weg gar nicht. Zunächst gab es ja den verhärteten Gegensatz zwischen angeborenem und erlerntem Verhalten. Einige Kritiker der Ethologie lehnten angeborene Verhaltensweisen schlicht ab.

Konrad Lorenz hielt dagegen:
„Meine Antwort auf diese Kritik war kurz und schlagend, traf aber zunächst das Wesentliche nicht. ... Ich selbst schrieb damals, daß Lehrman, um den Begriff angeborener Verhaltensweisen zu umgehen, einen angeborenen eingebauten Lehrmeister (innate schoolmarm) postuliere.


Schulmeister_WBusch

Meine Formulierung des Begriffs vom „angeborenen Lehrmeister“ war damals ausgesprochen als eine reductio ad absurdum gemeint. Was weder ich noch meine Meinungsgegner sahen, war, daß in eben diesem Lehr-Mechanismus das wahre Problem steckte. Ich brauchte nahezu zehn Jahre, um mir darüber klar zu werden, wo eigentlich der Fehler von Kritik und Gegenkritik gelegen sei. Er war deshalb so schwer zu finden, weil er von den extremen Behavioristen und von den älteren Ethologen in völlig gleicher Weise begangen worden war. Es war tatsächlich falsch, die Begriffe des angeborenen und des Erworbenen als disjunktive Gegensätze zu formulieren; die Gemeinsamkeit und Überschneidung der Begriffsinhalte lag jedoch nicht darin, dass wie die *Instinktgegner* behaupteten, alles scheinbar Angeborene eigentlich erlernt sei, sondern, genau umgekehrt, darin, dass allem Lernen ein stammesgeschichtlich gewordenes Programm zugrunde liegen muß, sofern es, wie es tatsächlich tut, arterhaltend sinnvolle Verhaltensweisen produzieren soll “


Auf die mögliche Umwelt ist ein Tier genetisch eingestellt. Seine Vorfahren haben dort schon gelebt. An das, was es vorfindet, muss es sich durch Lernen anpassen können. Nur dann kann es ausreichend Vorteile gewinnen, in der Konkurrenz zu anderen zu überleben. Deswegen ist das Gehirn auf lebenslanges Lernen eingestellt.Die modernen Hirnforschung* drückt es so aus:

"Dies wiederum bedeutet, dass das Gehirn zugleich lernt und sich entwickelt, und hieraus wiederum ergeben sich bedeutsame Konsequenzen".

"Aus dem Zusammenspiel von Reifung und Lernen lassen sich unter anderem die so genannten kritischen oder sensitiven Perioden ableiten. Mit diesem in der Entwicklungsneurobiologie sehr wichtigen Begriff werden Zeitabschnitte bezeichnet, in denen bestimmte Erfahrungen gemacht werden müssen, damit bestimmte Fertigkeiten bzw. Fähigkeiten erworben werden. Kommt es nicht dazu, werden diese Fertigkeiten bzw. Fähigkeiten zeitlebens nicht mehr gelernt. ..."

"... dass (Kinder) erstaunlich robust sind. Sie suchen sich einfach alles selbst, was sie gerade am besten lernen können. Ihr sich entwickelndes Gehirn stellt einen eingebauten Lehrer dar. Daraus folgt leider auch in vieler Hinsicht: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. In neurobiologischer Hinsicht ist diese Volksweisheit längst eingeholt und auf vielfältige Weise bestätigt."

Fazit: Ein Lebewesen ist genetisch dazu vorgesehen, Erfahrungen bestimmter Art zu machen und daraus zu lernen, sein Verhalten entsprechend seinen Bedürfnissen zu optimieren. Die Bedürfnisse des Lebewesens - des Hundes - haben den Vorrang vor allen anderen. Wenn wir sie uns zunutze machen können, werden wir einen wunderbaren Gefährten haben können. Handeln wir gegen die Veranlagungen, unterdrücken wir das Tier. Die richtige Wahl eines tierischen Gefährten ist daher die wichtigste Grundlage für einen emotionalen Gewinn aus seiner Haltung. Das Aussehen stellt damit meist ein schlechtes Kriterium dar. Lesen Sie dazu auch die Geschichte der Polarfuchszucht von Trut und Belyayev *) in „Vergleichende Verhaltensforschung –Grundlagen der Ethologie“ Springer, Wien, 1978


**) Manfred Spitzer: Lernen - Gehirnforschung und die Schule des Lebens, Spektrum, Heidelberg 2002, Neuauflage 2003



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