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Stand: 09 Mar 2011 19:15

Das Kreuz der Umweltantworten

Dieses Schema erleichtert es, die Art und Richtung der Veränderung im Verhalten eines Tieres zu verstehen.


Wenn ein Tier etwas tut, hat es einen Grund dazu.

Es möchte seinen momentanen Zustand verbessern.

Was Verbesserungen sind, entscheidet sich im Tier.

Nach außen orientieren sich Bewertungen am Kreuz der Umweltantworten.

Der Hund agiert - die Umwelt reagiert - der Hund bewertet.

Er kann etwas erhalten oder etwas loswerden.

Ist das angenehm oder unangenehm für ihn? Das ist der entscheidende Punkt.

Wir wollen das Schema detailliert besprechen. Was bedeuten es konkret?

Wir konzentrieren und auf die obere Seite , die erwünschten Reaktionen.

Erwünscht vom Hund sind Reaktionen, die seinen Zustand verbessern.

Die Handlungen, die zu einer Verbesserung führten, wird der Hund in entsprechenden Situationen wiederholen. Er wird sie mit der Zeit optimieren. Je geringer der Aufwand für das gleiche Ergebnis, desto besser für den Hund.

Beispiel:

Er erwischt eine Maus, er hat einen freundlichen Sozialkontakt, er findet einen Ruheplatz, er bekommt ein Stückchen Futter.

Sind dies angenehme Ereignisse, bestärken sie den Hund in seinem Verhalten. Seine Situation verbessert sich.

Wir nennen diese zugefügten (addierten) Ereignisse oder Dinge additive Bestärker Das Kürzel dafür im Jargon ist B+.

Angenehm, positiv sind aber auch Ereignisse, die einen unangenehmen Zustand beenden. „Es ist so schön, wenn der Schmerz nachlässt.“ Sie bestärken durch Wegnehmen einer Störung. Verschwinden unangenehme Ereignisse oder Objekte bestärkt subtraktiv, als Kürzel B-.

Beispiel:

Ein Stachel wird aus der Pfote entfernt, ein drohender anderer Hund entfernt sich, der Hund kann der Sonnenhitze in einem Schattenplatz entgehen*.

Subtraktive Bestärker können sehr schnell intensiv wirken.

Auf dieser oberen Seite des Bildes finden wir die vom Hund erwünschten Reaktionen der Umwelt. Umgekehrt werden wir solche Bestärkungen bereitstellen müssen, wenn wir von uns erwünschtes Verhalten des Hundes sehen wollen.

(2) Die Situation kann sich auch verschlechtern.

Diese Antworten der Umwelt sind vom Hund höchst unerwünscht. Als Folge wird er seine Aktionen, die dazu geführt haben, unterlassen. Je nach Antwort, kann das sehr schnell oder auch langsamer gehen.


Einige Einwirkungen können schmerzhaft, ängstigend, erschreckend sein oder gar das Leben gefährden. Der Hund wird schnell diese Situationen meiden. Er wird die dazu gehörigen Handlungen unterlassen. Ich nenne diese Umweltantworten entmutigend. Historisch nennt man sie Strafen, genauer additive Strafen, als Kürzel S+ es wird etwas Negatives hinzugefügt, d.h. Addiert.


Beispiele:

Ein Hund gerät an einen Weidezaun. Ein Wildschwein dreht den Spieß um und geht auf den Hund los, ein plötzliches Zischen einer Luftdruckbremse direkt neben dem Hund erschreckt ihn zutiefst, beim Jagen eines Autos wird der Hund heftig gestoßen.

Strafen dieser Art bewirken am schnellsten Unterlassen von Verhalten oder Meiden von Objekten und Umständen.

Andere Einwirkungen beenden einen angenehmen, erwünschten Zustand. Das möchte der Hund ebenfalls verhindern. Er sollte das unterlassen, was zu dieser Folge geführt hat. Die Wirkung ist die einer Strafe. Da sie durch Wegnehmen (subtrahieren) wirkt, nennt man sie subtraktive Strafen, als Kürzel S-.

Beispiele:

Der Hund macht eine ungeeignete Bewegung, eine gefangene Maus entwischt ihm. Ein anderer Hund verscheucht ihn von dessen Liegeplatz. Der Hund wir überraschend kurz an einen Zaunpfahl gebunden. Jemand nimmt dem Hund das Futter fort.

Auch hier wird der Hund sein Verhalten verändern, um diese Ereignisse zu meiden.

Zwischenbilanz:

Es gibt vier Haupteinwirkungen, die das Verhalten beeinflussen. Zwei bestärken das Wiederauftreten von Verhalten, zwei verursachen das Unterlassen von Verhalten.

Das ist eine Klassifizierung der von außen beobachtbaren Wirkung.

  • Kann man sich nun wahlweise dieser Einwirkungen bedienen?

  • Sind sie alle gleichberechtigt?

Die Antwort ist NEIN!

Im Gehirn werden die Außenreize von verschiedenen Bereichen verarbeitet. Sie sind mit Emotionen verbunden. Die Folgen sind dramatisch unterschiedlich. Es gibt die rote Schiene und die grüne Schiene.

Die rote Schiene

Die Bewertung erfolgt durch die Amygdala (Mandelkern). Sie ist für Emotionen bestimmend. Die Umstände sind mit starkem Stress verbunden. Bei additiver Strafe steigt er sprunghaft, bei subtraktiver Bestärkung stellt er den Ausgangszustand dar, der durch die Folgen der hundlichen Aktion stark vermindert wird. Das ist ein intensiver Lernvorgang. Bei der additiven Strafe reicht oft ein einziges Ereignis für eine lang anhaltende Wirkung. Bei subtraktiver Bestärkung wird der Lösungsweg schnell verinnerlicht. Der allgemeine Stresszustand hat eine unangenehme Folge.

Er ist der Grund für das weitläufige starke Meiden solcher Umstände, die Gegenkontrolle. Der Hund sammelt Signale, die ihm ein frühzeitiges Meiden ermöglichen. Er will er gar nicht in die Situation kommen, aus der er sich dann befreien muss.

Der Lernort, die Anwesenden, all das kann mit einbezogen werden. Das Stresshormon Cortisol hat negative Auswirkungen auf das allgemeine Lernen.

Die grüne Schiene

Die Bewertung erfolgt durch den Hypothalamus. Sie sind mit Dopaminausschüttungen verbunden. Die Emotionen sind sehr angenehm gefärbt.

Solange ein Bedürfnis besteht, dass durch die Bestärkung befriedigt wird, wiederholt der Hund seine Handlungen. Er wird sie je nach Erfolg auch variieren. Auch wenn nicht jede Aktion erfolgreich ist, wiederholt der Hund seine Versuche.

Führt die Handlung des Hundes zu einem Verlust, er erreicht eher das Gegenteil seines Wunsches, dann wirkt das hemmend auf weiter Ausführungen. Verluste möchte jeder meiden. Diese subtraktive Strafe kann je nach den Umständen auch stressend wirken, aber deutlich schwächer als die rote Schiene. Der Hund wird emotional herunter gefahren.

Training

Bei Training von Kunststückchen einschließlich aller Aufgaben aus dem Bereich des Hundesports tut man gut daran, sich auf die grüne Schiene zu konzentrieren. Sie ist die Domäne, die man mit dem Clicker nutzt. Training vermeidet Ablenkungen. Der Hund kann sich auf die Zusammenarbeit mit dem Menschen konzentrieren.

Die Alltagsmischung

Im Alltag treten Reize aller Art auf, die den Hund zu spontanen Reaktionen veranlassen können. Er wird manchmal erschrecken. Er wird unangenehme Begegnungen haben. Er kann in einen Dorn treten, gegen einen Weidezaun kommen. Die rote Schiene wird in irgendeiner Form gelegentlich auftauchen..

Vermeiden eines unangenehmen Ereignisses wirkt wie eine Belohnung. Die Hinweise darauf kann man Warnung nennen. Der Warnende agiert nicht gegen den Hund, schon gar nicht emotional, sondern für den Hund. Der Hund wird für erwünschte Verhaltensweisen bestärkt. So wächst ein Gerüst des sicheren Umweltverhaltens.

Deshalb ist der Aufbau einer Warnung äußerst hilfreich. Er ist die einzige Nutzung der roten Schiene. Die Warnung schützt den Hund vor der Kollision mit der roten Schiene.

Das Bild veranschaulicht den unterschiedlichen Beitrag der vier Bereiche. Die grüne Schiene bestimmt die erwünschte Richtung. Die rote kann in Ausnahmefällen für Richtungskorrekturen nötig sein.

*Es ist nicht alles eindeutig in das Schema zu einzuordnen. Wenn der Hund in der heißen Sonne leidet, ist dann der Zugang zum Schattenplatz ein Hinzufügen (des Schatten) oder ein Wegnehmen (der Sonnenstrahlung)? Aber beides bestärkt die Handlung, die den Schattenplatz zugänglich gemacht hat.

Operantes Verhalten

Im Alltag wird nicht nur ständig gelernt. Gelerntes wird angewendet. Ein Hund sucht Hinweisreize, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Wenn er Durst hat, wird er Hinweise auf Wasser suchen. Hatte er Erfolg, wird das in seinem Repertoire gespeichert. Ist ihm heiß, wird er Schatten suchen. Was darauf hinweist, merkt er sich sehr gut.

Er lernt und nutzt Assoziationen von Reizen, die ihn auf etwas hinweisen.

Gerüche, Spuren, Geräusche, Bewegungsmuster sind solche Hinweisreize. Das „etwas“ können tote Objekte, andere Tiere und Ereignisse sein.

Manche Reize weisen auf möglichen Erfolg von Aktionen hin, mache auf (sicheren) Misserfolg. Sehr wichtig sind für ihn auch Reize, die auf Gefahrensituationen hinweisen. Nimmt er sie wahr, kann er erfolgreich meiden. Das wirkt für ihn erleichternd und bestärkend. Diese Sammlung von Reizen machen wir uns in der Erziehung zu nutze.

Dazu muss ein Hund Lebenserfahrung sammeln können, wobei er diese Assoziationen aufbaut, die Umwelt verstehen lernt.

Es ist unsere Pflicht, ihm das zu ermöglichen.

Der Hund lernt auch, uns für seine Zwecke einzusetzen. Er ist darin recht geschickt.













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